Zu Fuß zum Kloster Andechs
Es ist Mai, kurz vor Christi Himmelfahrt und wir machen einen Ausflug auf den Heiligen Berg Andechs. Das Kloster ist bequem per Auto zu erreichen, aber wir entscheiden uns für die Variante Wanderung.
Das Wetter ist eher kühl und regnerisch, so wird es uns nicht zu heiß unterwegs. Wir fahren mit der S-8 nach Herrsching am Ammersee und laufen entlang eines kleinen Baches bis wir den Weg aufwärts erreichen. Vorbei an wunderschönen Villen mit unverbautem Blick auf den Ammersee klettern wir die eine kleine Strasse Richtung Andechs. Es dauert ca. 20 Minuten, da ist unsere Wandergruppe im Wald unterwegs und genießt die Natur.
Teilweise ist der Aufstieg ziemlich steil, da wird ein ungeübter Wanderer schon an seine Grenzen geführt. Nach gut
einer Stunde verlassen wir den Wald und sehen schon die Türme von Andechs. Jetzt müssen wir noch an saftigen Weiden mit Schafen vorbei, durch eine kleine Schlucht, in der unten ein Bach rauscht. Und der letzte Aufstieg führt uns schon direkt zur Klosterkirche.
Wir kommen noch pünktlich zu der Kirchenführung um kurz nach 12 Uhr. Leider werden wir unterbrochen von zwei Walfahrten, die laut singend in den Bänken erschöpft niedersinken. Wir räumen das Feld und begeben uns Richtung Brauerei.
Hier werden wir eine Führung machen und dem Geheimnis des sagenhaften Andechser Bieres nachspüren.
Die Brauerei ist mittags schon fertig mit der Produktion, überall wurde ganz gründlich geputzt – Sauberkeit und Hygiene sind das oberste Prinzip hier. Die Brauerei ist überschaubar, schon fast gemütlich klein. Ihre Leistungsfähigkeit ist mit 20 000 Flaschen in der Stunde dafür doch enorm. Hier wird uns referiert, dass die Produktion sich nach den Bestellungen richtet, damit das Bier immer frisch beim Kunden ankommt. Wir erfahren, dass bereits die Hethiter in Mesopotamien Bier gebraut haben. Allerdings hat man lange Zeit nicht gewusst, dass Hefe die Fermentierung und Umwandlung in Alkohol bewirkt. Es gibt in der Luft und auf der Haut Hefe, die bei der Bierherstellung mit der Maische zusammen kam und so entstanden die Biere meist aus Zufall.
In Andechs werden Hopfen und Getreide verwendet, die aus biologischem Anbau kommen. Der Hopfen muss allerdings grundsätzlich weiblich sein, sonst eignet er sich nicht für die Bierherstellung. Hier erfahren wir auch den Unterschied zwischen obergärigen und untergärigen Bieren: gärt die Hefe bei niedrigen Temperaturen unten – ist das Bier untergärig, also alle hellen Sorten und Pilse. Gärt die Hefe dagegen bei 25 Grad C an der Oberfläche, so handelt es sich um obergäriges Bier, zum Beispiel das Weizenbier. Übrigens ein obergäriges Bier pro Tag soll medizinischen Charakter haben.
In der Andechser Klosterbrauerei
gibt es sieben Biersorten (Hell, Spezialhell, Bergbock hell, Dunkel, Doppelbock dunkel, helles und dunkles Weizenbier). Es wird nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1514 gebraut, also eine lange Tradition wird hier gepflegt.
Das Kloster Andechs gehört zu der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und ist das Wirtschaftsgut. Neben der Brauerei gibt es Schnapsbrennerei, Metzgerei und Käserei. Im Kloster Andechs leben im Jahr 2010 nur noch 6 Mönche und deshalb wird die Bewirtschaftung von vielen Laien besorgt. Bei der Brauerei zum Beispiel gibt es eine Geschäftsleitung, die für den Betrieb verantwortlich ist, bei vielen wichtigen strategischen Entscheidungen hat aber noch ein Benediktinermönch aus dem Kloster das letzte Wort.
Seit 1992 gibt es jedes Jahr die Carl-Orff-Festspiele in Andechs, das ist ein kulturelles Highlight in der Region. Carl-Orff ist in einer Kapelle der Andechser Kirche beigesetzt.
Zurück zu unserer Besichtigung der Brauerei, ich bin zu sehr ins Allgemeine abgeschweift. Wir lernen den ganzen Bierherstellungsprozess, der auf der offiziellen Seite nachzulesen ist. Jedenfalls geht es auf 14 Uhr zu und uns knurren die Magen, der Durst ist auch schon mächtig. Also führt uns der Weg zurück auf den Heiligen Berg und direkt ins Bräustüberl. Wir sitzen im Selbstbedienungsbereich und haben an zwei Theken die Wahl zwischen warmen und kalten Speisen. Auch wenn die Schweinshaxen legendär sind, so ein Berg Fleisch schreckt doch etwas ab. Es gibt sehr leckeren Rollbraten mit Kartoffelsalat und die Portion ist auch gut zu schaffen. Sehr empfehlenswert ist der garantiert immer frische Obatzta. Er schmeckt vorzüglich cremig und das dazu gereichte Brot ist auch ausgezeichnet. Es gibt noch eine weitere Auswahl an Gerichten, die man auf der Internetseite sogar nachlesen kann. Am besten ist natürlich man probiert das aus, worauf man am meisten Lust hat. Das Wichtigste muss man noch an einer anderen Theke holen: das kühle Bier an der Schenke. Wie wir bei der Führung erfahren haben, gehen die Leitungen von unten aus der Brauerei auf den Berg hoch direkt in die Schenke. Hier holen wir uns jeder ein feines Halbes und löschen den Durst damit. So kann ein anstrengender Tag voller Eindrücke harmonisch zu Ende gehen.
Weiterführende Webseiten zum Kloster Andechs:
Kloster Andechs bei Wikipedia
Kloster Andechs – Kirche – Brauerei u.a.
Text: ISAKI


